Eine Welt ohne Internet

EINE WELT OHNE INTERNET

EIN TAG IN DER „Hölle“

Ich stehe auf, weil die Sonne mich durch mein offenes Fenster im Gesicht kitzelt. Ich frühstücke Brot, das meine Mutter vor mir auf die Heizplatte gelegt hat, packe meine Schreibfeder, mit der ich gestern Abend noch unter meiner eigenen Brennlampe, auf die ich sehr stolz bin, meine Schularbeiten erledigt habe und verlasse unsere Wohnung. Auf dem Weg zur Schule gucke ich hoch zum Glockenturm der Dorfkirche: Seine Digitaluhr, für die unser Bürgermeister eine gute Stange Geld gezahlt hat, zeigt 7:42. Ich habe also noch massig Zeit mein ca. 10000 Einwohner großes Dorf zu durchqueren und an meinem Lieblingsladen in der Meierstaße vorbeischauen: dem Bücherladen. In ihm gibt es mehr als 100 Bücher und Zeitschriften. Mehr als 100 Medien, die mir alle Informationen über die Welt da draußen liefern können und die alle ihre eigene Geschichte erzählen. Ich sehe kein neues Buch, kann aber einen Blick auf die heutige Zeitung werfen: sie ist vom 23.2.2018 und außer weiteren gescheiterten Versuchen verschiedener „Parteien“ eine einheitliche Regierung nach dem nun schon über 70 Jahren vergangenen 2. Weltkrieg zu bilden sehe ich nichts interessantes. Meine Eltern haben mir von den drei „Parlamenten“, die Deutschland bisher hatte, erzählt, die alle kein Jahr gehalten haben, von denen wir in der Schule nichts lernen und von denen wir auch nicht auf der Straße reden dürfen. Kaum bin ich in der Schule angekommen, erzählt mir Richard, einer meiner Freunde, dessen reicher Vater eine eigene Speditionsfirma hat, aufgeregt: „Ey, Samuel, in Essen findet in 2 Wochen ein Spiel zwischen dem H.S.V. Essen und Wolfsburg statt…“ „Woher weißt du das?!“, unterbreche ich ihn. Die einzigen Wege Informationen über längere Distanzen zu übermitteln sind Briefe und Telegramme, letztere sind aber so teuer, dass sie nur Konzerne zum Austauschen von brisanten Informationen nutzen. Aber abgesehen davon hat unser Dorf nicht mal einen funktionierende Telegrafenstation, also, wie kann Richard das mit dem Spiel so schnell erfahren haben? „Einer unserer Fahrer hat es mir gestern erzählt, er war dort um eine Ladung Spiritus abzuholen… genial oder?“ „Is schon toll“ antwortete ich, „aber meine Eltern und ich werden eh nicht hingehen können. Die werden doch kein Geld für ein Zugticket ausgeben wenn es sich nicht für sie lohnt… Naja vielleicht ein andermal…“

So oder so ähnlich könnte ein Tag in einem Universum aussehen, in dem das Internet nie erfunden worden ist. Diverse Erfindungen in den Bereichen Technik & Co. wären nie oder viel später erfunden worden, da es kaum Informationsaustausch gäbe. Entscheidungen sind auch schwierig, weil man sich nicht „mal eben“ die Meinung von anderen zu einem Thema via soziale Netzwerke oder Umfragen hohlen kann. Die Menschen würden größtenteils ohne Informationen über ihre Umwelt oder die Mitmenschen außerhalb ihrer Stadt leben. Kurz: Menschen, die sich den ganzen Tag stumpf über „mediensüchtige Kinder“ oder „Internetzwang“ beschweren, sind meiner Meinung nach zu beschränkt oder zu stur um sich ausgiebig mit dem Thema zu beschäftigen, anstatt sich an ihrer veralteten, konservativen Weltanschauung „festzuhalten“.

Viele dieser Phänomene sind maßlos übertrieben oder wurden von Kritikern verdreht, und das wenige was stimmt reicht bei weitem nicht aus, um anderen Menschen ihren Spaß am Internet zu nehmen, aus Angst, selber als veraltet oder rückständig dazustehen. Der Fortschritt steht schon mit einem Bein in der Tür und wer hier nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit…

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